»Eine Ausrede findet sich immer«

Die subjektive Rückfallbegründung alkoholabhängiger Patienten.

Autor: Stephan Rinckens

Das Verständnis des Rückfalls als Ausdruck von Willensschwäche und innerer Haltlosigkeit erschwert eine wirkliche Begegnung und den Aufbau einer therapeutischen Beziehung sehr. Umgekehrt kann das Verständnis des Rückfalls als subjektive Berichtigung eines Irrtums im nüchternen Lebensstil dagegen wichtige Hinweise für die Therapie geben. Dieses Verständnis kann nur im Dialog zwischen den Beteiligten erwachsen, dass verlangt vor allem vom Therapeuten, sich auf den Verständnisrahmen des anderen einzulassen.
Stephan Rinckens hat die alkoholabhängigen Patienten der psychiatrischen Abteilung des Klinikums Frankfurt an der Oder in einem Interview zu ihrem Verständnis ihres Rückfalls befragt, hat soziodemographische Daten zur Lebenssituation und zum Krankheitsverlauf erhoben und psychologische Testuntersuchungen zum Rückfallverständnis und zum eigenen Inkongruenzerleben durchgeführt.
Auf der Grundlage der inhaltsanalytischen Auswertung der Interviews konnte er fünf Gruppen bilden: diejenigen mit Selbstansprüchen, die Integrierten, die Ambivalenten, die Außengeleiteten und die Haltlosen. Die Typenbildung ist nicht Selbstzweck, sondern dient dem Erkennen haltgebender Ressourcen im Umfeld der Patienten und der Unterstützung dieser Strukturen zum Zwecke der Rückfallprophylaxe.

Rezensionen:

Niels Pörksen in Sozialpsychiatrische Informationen: “Wer die Studie aufmerksam liest, der erkennt die Intention, der spürt, dass es Rinckens in erster Linie darauf ankommt, in jedem Einzelfall genau hinzusehen, Rückfall nicht gleich Rückfall erscheinen zu lassen, den Kontext des Leidens, der Lebenslage, der Beziehungen usw. ins Blickfeld zu rücken, in jedem Einzelfall die angemessene therapeutische Strategie zu entwickeln und anzuwenden.” Zur vollständigen Besprechung. [url=http://www.psychiatrie.de/bibliothek/buecher/sucht/article/rinckens_ausrede.html] Zur vollständgen Besprechung [/url]

Dirk Schwonn in Soziale Psychiatrie 1/2005: “Wer erwartet, die subjektiven Erklärungen für einen Rückfall breit aufgefächert und unter vielen Aspekten gegliedert nachlesen zu können, wird durch die Lektüre nicht enttäuscht werden. Aber das Buch enthält viel mehr. Es ist dem Anspruch verpflichtet, das facettenreiche Geschehen über individualpsychologische Perspektiven hinaus in seinen sozialen Kontexten und und den historisch-gesellschaftlichen Einflüssen zu begreifen und diese beiden Ebenen miteinander in Verbindung zu bringen.”